Lachsjagd am Kalixälv und am Ängesån
Noch recht frisch der Lachsangel-Sucht erlegen – hinter mir steckte erst eine Woche erfolglose Lachs-Jagd in Norwegen – wollte ich dieses Jahr mein Glück an den unbekannteren Flüssen im hohen Norden Schwedens versuchen. Da ich ohnehin für zwei Wochen im Raum Lulea Urlaub mit Freundin und Freunden plante, passte es also perfekt in meine Reiseplanung, dass der Kalixälv und der Ängesån bzw. deren gute Lachsstellen gerade mal 180km davon entfernt lagen.
Nach ausführlicher Recherche auf diversen Angelforen und resultierenden E-Mail-Kontakten mit „Artgenossen“, viel die Entscheidung auf diese Flüsse, da sie zum einen sehr günstig sind und zum anderen einen enormen Lachaufstieg zu vermerken haben. Angeblich nach dem Torneälv das Flusssystem, das für die größte Lachsreproduktion der Ostseelachse verantwortlich sei.
Da Schweden dort oben, vor allem aus mitteleuropäischer Sicht, extrem dünn besiedelt ist, ist die Auswahl und vor allem das Finden geeigneter Übernachtungsmöglichkeiten nicht ganz einfach. Im Internet bin ich dann auf Nordische Abenteuergestoßen. Eveline und Siegfried, zwei deutsche Auswanderer, bieten hier eine Vielzahl von Übernachtungsmög-lichkeiten, Abenteuer und Wildnisprogrammen an. U.a. betreiben Sie mit Aspberg einen reizenden kleinen Einsiedlerhof, der aus zum Teil noch sehr alten und traditionellen Häusern besteht, die perfekt ausgestattet sind und sehr liebevoll renoviert wurden bzw. noch werden.
Ich bezog ein Zimmer im Haupthaus und lebte in einer Art „Herren WG“ mit Siegfried und Stefan, einem jungen Schweizer, der ihm in dieser Saison zur Hand ging. Normalerweise kann man das Haus komplett mieten, also ohne Siegfried, der dann entweder in die benachbarte Bagarstugan oder einem anderen. dem Hof Brännmyra in der Nähe ausweicht (beide auch zu mieten). Diese Nähe hat den Vorteil, dass man auf Siegfrieds Kontakte, Tipps und vor allem seine Wildnis Erfahrung zurück greifen kann. Wie sich beim täglichen gemeinsamen Herren-Frühstück herausstellte, ist Siegried leidenschaftlicher Angler und Jäger und war schon viele Monate in der skandinavischen Wildnis unterwegs.
Ich wusste zwar, dass der Hof in der Wildnis liegt und kannte auch die Landschaft dort oben, trotzdem ist diese Weite und Unberührtheit der Natur immer wieder beindruckend. Dass die letzten 25 Km Anfahrt von Lansjärv aus überwiegend auf Schotterpisten stattfindet, unterstreicht dieses Empfinden umso mehr. Und dann, wenn man endlich den Motor abstellen kann, übermannt einen diese Ruhe. Kein Zivilisationslärm, keine Autos, keine Menschen. Einfach nur Natur und diese Weite. Nach wenigen Tagen stellt sich dann auch der auf Mitteleuropa eingestellte Lebensrhythmus um und man beginnt sich auf sein Umfeld einzustellen und den Kopf zu „durchlüften“. Eine Form der Erholung, wie ich Sie nur dort oben im Norden erfahren kann….. Die perfekten „Rahmenbedingungen“ für mein primäres Ziel, der Lachsjagd, waren also geschaffen.
Neben zahlreichen Seen und Flüssen im direkten Umland, liegt etwa 35 km entfernt auch der berühmte Jockfall. Ein Wasserfall, der den knapp 100 Meter breiten Kalixälv auf ca. 30 Metern verjüngt und etwa 9 Meter in die Tiefe stürzt lässt, um sich dann in einem gewaltigen, fast runden Pool mit knapp 120 Metern Durchmesser zu sammeln. Vor allem wenn man wie ich die kleinen niedlichen Voralpenflüsse Bayerns gewohnt ist, dann sind diese Dimensionen schon beeindruckend. Wild, rau, gefährlich und wunderschön.
Der Jockfall stellt für den Lachs trotz Lachstreppe ein natürliches Hindernis dar und lässt sich nur bei bestimmten Wasserständen überwinden. Die Lachse sammeln sich daher von Beginn der Eisfreien Zeit an in diesem riesigen Pool und warten, bis sie weiter aufsteigen können. Das kann häufig bis Ende Juni dauern und lässt sich sehr gut anhand des an der Lachstreppe befindlichen Fischzählwerks nachvollziehen. Bis Ende Juni waren so gut wie keine Fische aufgestiegen, dann aber Anfang Juli in zwei Tagen über 500 Lachse! Allein in 5 Tagen die ich vor Ort war, stiegen 1.200 Lachse auf. Das Wasser hat gekocht, alle 5 Sec ist irgendwo ein Lachs gesprungen oder hat gebuckelt, manchmal auch zeitgleich. Riesige Fischrücken kam teilweise in nur 5 Metern Entfernung vor mir aus der Tiefe, so dass man vor Schreck fast ins Wasser gefallen wäre. Es war beeindruckend, motivierend, hat einen aber auch verrückt gemacht. Selbst die eingefleischten finnischen und schwedischen Lachsangler ließ dieses Szenario nicht kalt.
Das Fischen mit der Fliege ist an diesem Pool durchaus anspruchsvoll, da nur an wenigen Stellen gut geworfen werden kann. Rollwurf bzw. Speycast sind unverzichtbar. Ebenso ist ein Kescher vorteilhaft, da man häufig auch an steilen Uferkannten fischt. Unterhalb des großen Pools reihen sich am Westufer noch ca. drei kleinere Pools, die befischt werden können. Am Ostufer gibt es auch noch längere Strecken, die man nach bekannter “one step one cast“ Manier ein paar hundert Meter bewaten kann.
Karten und Tipps für die Fischerei gibt’s direkt am Jockfall in einem kleinen und gepflegten Restaurant, jeden Tag von ca. 09 Uhr bis 22 Uhr. Die Tageskarte kostet 100 Kronen und es bedarf keiner Voranmeldung. Ein kleiner Angelladen, der sowohl für Spinn- als auch Fliegenfischerei alles nötige bereit hält ist ebenfalls im Restaurant. Spinnfischer und Fliegenfischer befischen die gegenüberliegenden Uferseiten des großen Hauptpool jeweils im Tageswechsel.
Ca. 40km Flussabwärts fließt der Ängesån in den Kalixälv. Er schlängelt sich von dort aus in Richtung Nordwest und führt nur knapp 5 km an Aspberg vorbei. Der Ängesån wird bei den Schweden wohl als Geheimtipp gehandelt. Wie der Kalixälv, völlig naturbelassen, unverbaut und mit so gut wie unbesiedelten Ufern, ist der Ängesån mit ca. 30-40 Metern Breite jedoch deutlich kleiner. Ohne Orts- und Gewässerkenntnisse hat man hier kaum Chancen an gute Stellen zu gelangen.
Der „Nachbar“ von Siegfried, Sten, ist eine charmanter, lustiger und uriger Nordschwede, der sein ganzes Leben hier oben im 5 Häuser großen gleichnamigen Ort Ängesån verbracht hat… er kennt das Land wie seine Westentasche. Für einen Tag habe ich mir für günstiges Geld Sten als Führer inkl. seinem Flussboot und herrlicher Brotzeit gebucht. Durch wunderschöne und unberührte Flusslandschaften sind wir ca. 1h bis an den Linafall gefahren. Auf dem Hinweg haben wir an einigen vielversprechenden Stellen geschleppt. Obwohl meine Fliegenrute nebst kleiner Tubenfliege sicherlich nicht das ideale Schleppmaterial darstellte, gingen mir zwei Äschen und ein Hecht an den Haken. Ein Lachs wäre mir zwar lieber gewesen, aber zumindest hatten wir somit etwas für die Mittagspause. Sehr Imposant kam dann der Linafall zum Vorschein, an dem sich der Linaälv fast 20 Meter tief in den Ängesån ergießt. Hier kann man sowohl vom Boot, als auch vom Ufer aus fischen. Gestärkt von einer samischen Mittagspause am Lagerfeuer mit geräuchertem Rentierfleisch, gebratener Äsche und hausgemachtem Feuerwasser, befischten wir dann noch mit leichtem Rausch im Gesicht einige sehr Lachs-versprechende Stellen flussaufwärts. Alle sehr gut zu bewaten.
Nun ja….leider habe ich weder am Kalix noch am Ängesån einen Lachs gefangen. Am Kalix fehlte das nötige Glück oder auch Können, am Ängeson war ich laut einiger Fischer wohl einige Wochen zu spät dran bzw. war das Wasser auch etwas zu hoch. Aber es ist ja nicht unüblich einige Wochen bzw. Urlaube auf den ersten Lachs zu warten…und, den Reiz macht ja bekanntlich nicht nur der reine Fang aus, sondern die Zeit in der Natur, die Ruhe, das meditative Werfen, das feilen an der Wurftechnik, die Verbitterung aber auch die immer wieder kehrende Zuversicht und Hoffnung. Mit Sicherheit kann man sagen: Lachse sind da, viele und sie werden auch gefangen! Ein nur 20 Meter neben mir fischender Kollege hat in 30 min zwei Fische am Haken gehabt, die in wenigen Sekunden knapp 100 Meter in der Hauptströmung flussab geschossen sind…um dann abzureißen. Dem Kreischen der Bremse und dem hektischen Hinterherstolpern des Fischers nach zu schätzen, müssen das Monster gewesen sein, wofür der Kalixälv ja berüchtigt ist.
Dieses Jahr sollte es also nicht sein. Zurück an meinem Arbeitsplatz, bleiben mir aber noch die Erinnerung an sechs herrliche Tage in der nordschwedischen Taiga, die geprägt waren von unberührter Natur, Ruhe, sehr freundlichen und hilfsbereiten Gastgebern und einer fanatischen, aussichtsreichen Lachsjagd….die “Krönung“ folgt dann im nächsten Jahr. Gleicher Ort, gleiche Zeit.
NR
7.08.2008
Tipp:
Bevor das Feriendomizil angefahren wird, unbedingt Lebensmittel einkaufen und das Auto voll tanken. Das nächste Geschäft und die nächste Tankstelle sind gerne mal 50-80 Km entfernt. In Lulea, Överkalix, Gällivare und Kiruna haben die viele Geschäfte auch sonntags bis 21 Uhr offen.